Geld, Geld, Geldpolitik

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Meerkat
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Geld, Geld, Geldpolitik

Beitrag von Meerkat » 16. August 2019, 14:15

Endlich ein Prominenter, der sich für Helikoptergeld stark macht
Philipp Hildebrand macht sich für «Helikoptergeld» stark
Blackrock rüttelt Europas Politik und Notenbank-Verantwortliche mit der Forderung auf, Gelder direkt an Haushalte und Unternehmen zu verteilen, sollte sich die derzeitige Konjunkturabschwächung verschlimmern.
Mal auf die Schweiz bezogen: Jammern der CHF sei zu stark und die Inflation sei zu tief. Zudem sei die Bilanz der SNB zu hoch.
Annahme: Jeder Einwohner erhält CHF 1000 Cash. Die SNB generiert also rund 8 Mia aus dem Nichts. Folge: Wert des CHF sinkt, SNB-Bilanz reduziert sich, die Inflaton steigt, Konjunktur wird angekurbelt, da viele Leute das Geld konsumieren würden und die Aktienkurse steigen, weil andere das Geld anlegen würden. Die Negativzinsen werden Geschichte.
Wo liegt das Problem?

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CrashGuru
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Re: Geld, Geld, Geldpolitik

Beitrag von CrashGuru » 19. August 2019, 15:08

Meerkat hat geschrieben:
16. August 2019, 14:15
Endlich ein Prominenter, der sich für Helikoptergeld stark macht
Philipp Hildebrand macht sich für «Helikoptergeld» stark
Blackrock rüttelt Europas Politik und Notenbank-Verantwortliche mit der Forderung auf, Gelder direkt an Haushalte und Unternehmen zu verteilen, sollte sich die derzeitige Konjunkturabschwächung verschlimmern.
Mal auf die Schweiz bezogen: Jammern der CHF sei zu stark und die Inflation sei zu tief. Zudem sei die Bilanz der SNB zu hoch.
Annahme: Jeder Einwohner erhält CHF 1000 Cash. Die SNB generiert also rund 8 Mia aus dem Nichts. Folge: Wert des CHF sinkt, SNB-Bilanz reduziert sich, die Inflaton steigt, Konjunktur wird angekurbelt, da viele Leute das Geld konsumieren würden und die Aktienkurse steigen, weil andere das Geld anlegen würden. Die Negativzinsen werden Geschichte.
Wo liegt das Problem?
Jeder Einwohner erhält 1000......
A) pro Jahr? pro Monat? Bei einem einmaligen Verteilen macht es Puff und weg ist der Effekt. Bei mehrmaligem macht es Puff und die Reichen werden Reicher und die Armen machen weiter Schulden.
B) Reiche interessieren die 1000 nicht. Die machen weiter wie bisher.
C) Arme geben das Geld aus (neues iPod = - 1000) und machen weiter Schulden wie bisher.
D) die Krankenkassenprämien werden weiterhin nicht bezahlt, da: sieh C

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Meerkat
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Re: Geld, Geld, Geldpolitik

Beitrag von Meerkat » 19. August 2019, 16:24

Die Höhe des Betrags ist einfach mal ein Beispiel (1000/Jahr einmalig, bei Erfolg wiederholbar).
Die Auszahlung muss nicht Cash sein. Es können verschiedene Varianten diskutiert werden: Zahlung an die Gemeinden, die daraus die aktuelle resp. zukünftige Steuerrechnung bezahlt, Zahlung an die Krankenkasse für laufende, geschuldete und zukünftige Beiträge. Mache weitere Beispiele ...
Mir geht es mehr um die Auswirkungen auf Zinsniveau, Inflationsrate und Wechelskurse. Ich bin fast sicher, dass es da Modellrechnungen und Simulatonen geht.
Nur nebenbei: Ich habe nie verstanden, weshalb die SNB eine Bank sein muss, statt einfach eine Gelddruck und -aufbewahrungsstelle. Wieso braucht es eine Bilanz? (Hätte damals doch VWL als Freifach nehmen sollen :mrgreen: )

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Re: Geld, Geld, Geldpolitik

Beitrag von Meerkat » 19. August 2019, 17:44

Wie realistisch ist die Einführung von Helikoptergeld? (Cash)

Cash sieht es wie die meisten LeserInnen praktisch nur negativ. Interessant, dass fast nur psychologische Gegenargumente vorgebracht werden.
extremste geldpolitische Massnahme ... politisch umstritten ... Aufsehen errege ... Widerstände ... unverantwortliche Geldpolitik ... die Bürger würden das Geld sparen anstatt es auszugeben ... kreiert Unsicherheit ... Geldhortung ... Legalität einer solchen Aktion wird angezweifelt ... Eingriff in die Wirtschafts- und Sozialpolitik ...
Bezeichnend die Aussage
"Der fiskalische Spielraum ist vielerorts vorhanden", so Hartmann. Im Rahmen eines Anleihenkaufprogrammes könne die EZB dann wieder die neu ausgegebenen Papiere aufkaufen und die Schulden so monetarisieren. Dies habe eine zum Helikoptergeld vergleichbare Wirkung, habe aber den Vorteil, dass es deutlich weniger Aufsehen errege und somit mit weniger Widerständen verbunden sei.
(Bernd Hartmann, Chefstratege der VP Bank)
Vergleichbare Wirkung nicht für mich und die meisten Menschen!

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CrashGuru
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Re: Geld, Geld, Geldpolitik

Beitrag von CrashGuru » 19. August 2019, 19:04

Da ist halt einfach die Sache, dass das Geld nicht im Markt angekommen ist, sondern in den Märkten. Den Aktienmärkten. Wo das Heli-Geld ankommen würde? Als Gewinn bei den Reichen und als Anlage in den Aktienmärkten. Kreis gechlossen? Inflation? Wie viel Geld braucht es um die Inflation zu starten? Bisher haben X Milliarden nichts bewirkt.

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Re: Geld, Geld, Geldpolitik

Beitrag von Meerkat » 20. August 2019, 16:07

CrashGuru hat geschrieben:
19. August 2019, 19:04
Da ist halt einfach die Sache, dass das Geld nicht im Markt angekommen ist, sondern in den Märkten.
Das ist eben die Sache mit dem Quantitative Easing (QE). Der Unterschied zwischen QE und Helikoptergeld:
What Is the Difference Between Helicopter Money and QE?

Helicopter money is a theoretical and unorthodox monetary policy tool that central banks use to stimulate economies. Economist Milton Friedman introduced the framework for helicopter money in 1969, but former Federal Reserve Chairman Ben Bernanke popularized it in 2002. This policy should theoretically be used in a low-interest-rate environment when an economy's growth remains weak. Helicopter money involves the central bank or central government supplying large amounts of money to the public, as if the money was being distributed or scattered from a helicopter.

Contrary to the concept of using helicopter money, central banks use quantitative easing to increase the money supply and lower interest rates by purchasing government or other financial securities from the market to spark economic growth. Unlike with helicopter money, which involves the distribution of printed money to the public, central banks use quantitative easing to create money and then purchase assets using the printed money. QE does not have a direct impact on the public, while helicopter money is made directly available to consumers to increase consumer spending.
Helikoptergeld hat einfach das Problem, dass es ein theoretisches Vorhaben ist und über das Verhalten der Konsumenten nur spekuliert werden kann. Geben sie es aus (kreieren Nachfrage) oder sparen sie es. Unbestritten scheint zu sein, dass die Inflationsrate erhöht wird.
Ein gewichtiger Unterschied scheint mir zu sein, dass Helikoptergeld im Gegensatz zu QE irreversibel ist.
The effect of helicopter money is theoretically permanent and irreversible because money is given out to consumers, and central banks cannot retract the money if consumers decide to place the money into a savings account.
Unlike helicopter money, the effects of QE could be reversed by the sale of securities.

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Re: Geld, Geld, Geldpolitik

Beitrag von CrashGuru » 20. August 2019, 17:02

Meerkat hat geschrieben:
20. August 2019, 16:07

Ein gewichtiger Unterschied scheint mir zu sein, dass Helikoptergeld im Gegensatz zu QE irreversibel ist.
The effect of helicopter money is theoretically permanent and irreversible because money is given out to consumers, and central banks cannot retract the money if consumers decide to place the money into a savings account.
Unlike helicopter money, the effects of QE could be reversed by the sale of securities.
Ja, das könnte die Stärke davon sein.
Aber wer kann beziffern, welche Geldmenge notwendig ist um wieviel zu bewegen!
Und welche "Flächendeckung" (Land/Kontionent/Welt) muss da erreicht werden.
Wenn da jede Notenbank wieder ein eigenes Süppchen kocht (die USA sowieso), dann kann das auch genauso in die Hosen gehen.

Und noch etwas: 1000er in der Hand des Millionärs wird eher in den Aktienmarkt fliessen, als ein 100er in der Hand der alleinerziehenden Person.
Wird Helikoptergeld damit nicht automatisch zum Zankapfel.......? In der Schweiz wartet das Referendum wohl schon im Hintergrund. In Frankreich wird das einfach gemacht. In D gibt es endlose Diskussionen im Parlament. In Italien geht das Geld an die Mafia. In Spanien in die Hände der Baulöwen.

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Re: Geld, Geld, Geldpolitik

Beitrag von Xeno » 22. August 2019, 22:25

Meerkat hat geschrieben:
19. August 2019, 16:24
Nur nebenbei: Ich habe nie verstanden, weshalb die SNB eine Bank sein muss, statt einfach eine Gelddruck und -aufbewahrungsstelle. Wieso braucht es eine Bilanz? (Hätte damals doch VWL als Freifach nehmen sollen :mrgreen: )
Sie muss das Geld ja irgendwie in Umlauf bringen. Nur am Haufen hätte es ja null Effekt. Das "In-Umlauf-Bringen" bedeutet aber nichts anderes, als dass sie (wie auch immer) an den Wirtschaftskreislauf angeschlossen wird. Der Regulator (wir :lol: ) sagen wie.

Vor einer Verpolitisierung der Nationalbanken im Allgemeinen und der SNB warne ich eindringlichst. Die Einflussnahme der Politik auf Nationalbanken gehört zu den gar nicht so vielen Möglichkeiten eine Volkswirtschaft nachhaltig zu ruinieren. Die Beispiele stehen in den Geschichtsbüchern.

Ich möchte der SNB möglichst nicht befehlen wie sie das Mehrgeld in die Wirtschaft donnern soll. Sie hat in der Vergangenheit primär Fremdwährungen, vornehmlich (aber icht nur) €, gekauft. Und zwar Unsummen. Jetzt liegt bald 1 Billion davon (im deutschen Sinn der Zahl, nicht im englischen, also 1000 Milliarden oder 1 Million Millionen) in der SNB-Bilanz. Wieviel das ist, an zwei Vergleichen:

1) Wenn Sie mit dem Geld Aktien kaufen würde, würden ihr wertmässig 1% aller weltweit an Börsen gehandelten Aktien gehören (!).

2) Sie könnte damit die derzeit wertvollste börsenkotierte Firma der Welt, Microsoft, kaufen, und zwar ganz.

In der Regel führen extreme Lösungen ins Chaos, besonders in so etwas Komplexem und Abstraktem wie Geldtheorie. Mir wäre der norwegische Weg sympathisch: 40% in Aktien, Rest irgendwas ($, £, €, Gold, Silber; lieber nicht: Immobilen, weil das die Mieten erhöhen würde).

Die Direktausschüttung an die Bürgerschaft ist höchst experimentell. Ich habe Experimente lieber in chemischen Labors als in Volkswirtschaften. In der Schweiz müsste das SNB-Gesetz geändert werden. Eigentlich lieber nicht.

Alles IMHO, Diskussion erwünscht.

Lg X.

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Re: Geld, Geld, Geldpolitik

Beitrag von Meerkat » 23. August 2019, 08:47

Xeno hat geschrieben:
22. August 2019, 22:25
Meerkat hat geschrieben:
19. August 2019, 16:24
Nur nebenbei: Ich habe nie verstanden, weshalb die SNB eine Bank sein muss, statt einfach eine Gelddruck und -aufbewahrungsstelle.
Sie muss das Geld ja irgendwie in Umlauf bringen. Nur am Haufen hätte es ja null Effekt. Das "In-Umlauf-Bringen" bedeutet aber nichts anderes, als dass sie (wie auch immer) an den Wirtschaftskreislauf angeschlossen wird. Der Regulator (wir :lol: ) sagen wie.
Gehen wir mal vom Ist-Zustand aus und der Einfachheit halber zuerst vom physischen Geld. Dieses ist bereits im Umlauf, ohne Zutun der SNB. Ohne zu stehlen kann sie es nicht reduzieren, höchstens erhöhen, eben durch Helikoptergeld. Dies ist zweifellos das Risiko dieser Geldmengenerhöhung, aber sicher eine Frage der Dosierung. Im Jahr 2017 betrug der durchschnittliche Banknotenumlauf 76'507'131'570 Franken (Wikipedia). Fr. 1000/Einwohner wären da so rund 10 %.
Die SNB kann Geld verschenken ohne an die Wirtschaft angeschlossen zu sein. Natürlich braucht sie eine Druckerei, Speditionsabteilung etc.

Wenn die SNB heute Assets in Fremdwährung kauft um den CHF-Kurs zu drücken, tut sie das offensichtlich nicht mit gedruckten Noten (sie müsste da wohl eine 1 Mio-Note kreieren 8-) ). Also schafft sie das Geld aus dem Nichts. Die EZB vertraut der Schweiz und liefert Euros in der gewünschten Menge, womit die SNB z.B. eine Firma kauft. Sinkt der Frankenkurs wie gewünscht, macht die SNB einen (Buch-) gewinn. Den Gewinn verteilt sie schon heute an die Kantone. Dieser Gewinn wurde aus dem "Nichts" geschaffen und die Verteilung ist eine Art von Helikoptergeld. Ich sehe ja schon ein, dass die SNB die Firma selbst nicht einfach verschenken kann (z.B. an den AHV-Fond), da ja die EZB vielleicht mal ihre CHF in EUR rücktauschen möchte und falls die SNB diese nicht "organisieren" der CHF-Kurs (zu) stark abfallen könnte.

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theDon
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Re: Geld, Geld, Geldpolitik

Beitrag von theDon » 23. August 2019, 12:57

Wunschdenken - aber es wäre an der Zeit :-)
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